
IHK Nord
Energiepolitische Positionen
Mit dem Ausbau Erneuerbarer Energien gehen zahlreiche Herausforderungen einher. Laut IHK Nord haben etliche Unternehmen in den vergangenen Jahren bereits große Beiträge geleistet und erkennen zunehmend die wirtschaftlichen Chancen im Zuge des Klimaschutzes – wenn die Rahmenbedingungen stimmen. Die IHK Nord regt daher an, dass gerade kleine und mittlere Unternehmen Unterstützung dabei erhalten, sich frühzeitig eine Agenda zum Klimaschutz zu setzen. Auch das Thema Klimafolgeanpassung müsse zunehmend in das Unternehmensmanagement integriert werden, um auf Veränderungen und Ereignisse proaktiv reagieren zu können. Außerdem hat die IHK Nord die nachfolgenden energiepolitischen Positionen als Handreichung für die Politikvertreterinnen und -vertreter auf Bundesebene entwickelt:
Reform: Energiemarktdesign
Eine marktwirtschaftliche Reform der staatlich induzierten Preisbestandteile im Strom- und im gesamten Energiesektor ist notwendig. Die tatsächlichen volkswirtschaftlichen Kosten sollten sich in allen Energieträgern wiederfinden. Die CO2-Bepreisung muss mittelfristig in Kombination mit der Senkung der Strompreise faire Wettbewerbsbedingungen schaffen.
Wirken lassen: CO2-Bepreisung
Investitionen in Klimaschutz müssen sich langfristig lohnen – dafür fehlt allerdings der rechtliche Rahmen. Die CO2-Bepreisung wird neben einer CO2-Emissionsvermeidung faire Wettbewerbsbedingungen herstellen müssen. Dabei muss sich die Umstellung auf Erneuerbare Energien für die Wirtschaft positiv auswirken und die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen berücksichtigt werden.
Anreizen: System- und Netzdienlichkeit
Im Zuge einer Reform des Strommarktdesigns müssen die Netzstabilisierung und Systemdienlichkeit belohnt werden. Dafür bedarf es neben Flexibilitätsoptionen wie Speicher und zuschaltbaren Lasten auch einer agilen Notstromversorgung.
Vereinfachen: Vermarktung von Ökostrom
Das Doppelvermarktungsverbot sollte bei gleichzeitiger Verhinderung einer Doppelförderung abgeschafft werden. Die Gründe für die Erlassung des Verbots liegen heute nicht mehr vor. Die Eigenschaften des regionalen Grünstroms müssen erkennbar sein und ohne Umwege direkt an die Verbraucher weitergegeben werden können.
Notwendig: Nachfolgeregelungen für Post-EEG-Anlagen
Das Repowering alter Anlagen vor Ort sollte stets erste Wahl sein, wenn deren Betrieb am Standort akzeptiert und die Infrastruktur vorhanden ist. Sofern ein Repowering nicht möglich ist, bedarf es Nachnutzungskonzepte für die unterschiedlichen regenerativen Erzeugungsformen, um funktionsfähige Anlagen weiterhin in der Erneuerbaren Energien-Bilanz halten zu können.
Sektorenkopplung – grüner Wasserstoff als ein Baustein
Die Sektorenkopplung löst die traditionelle Trennung der Energiesektoren Elektrizität, Wärme- und Kälteversorgung sowie Mobilität zugunsten eines ganzheitlichen Ansatzes ab. Dessen Kern muss ein intelligentes, sektorenübergreifendes Last- und Erzeugungsmanagement sein, das im Ergebnis lang- und kurzfristige Volatilität zusammenführt. Mit einer verbesserten Energieeffizienz wird dies zu einer Senkung des Primärenergiebedarfs beitragen.
Beschleunigung: Planungs- und Genehmigungsverfahren
Planungs- und Genehmigungsverfahren für den Ausbau Erneuerbarer Energien und Anlagen im Sinne der System- und Netzdienlichkeit sind zu beschleunigen, Klageinstanzen zu verkürzen und die Akzeptanz in der Gesellschaft durch geeignete Maßnahmen zu erhöhen. Dazu gehört auch eine deutliche Entschlackung des gesetzlichen Regelwerks beziehungsweise eine Überprüfung der zukünftigen Notwendigkeit des EEG.
Forcieren: Ausbau erneuerbarer Energien
Der Ausbau erneuerbarer Energien muss deutlich forciert werden, damit das nationale EE-Ausbauziel auf mindestens 65 Prozent des Bruttostromverbrauchs im Jahr 2030 erreicht werden kann. Anzustreben ist ein Einsatz aller Technologieansätze, um einen ausgewogenen Energiemix auf Basis regenerativer Energiequellen zu verwirklichen. Der steigende Strombedarf für Mobilität und den Wärmemarkt aufgrund der Sektorenkopplung muss dabei zusätzlich berücksichtigt werden.
Ausbauen: Offshore Windenergie
Der Offshore-Windenergie kommt im zukünftigen Energieversorgungssystem eine besondere Bedeutung zu. Die Potenziale der Nord- und Ostsee sind unter Rücksichtnahme auf Wirtschaftszweige wie Schifffahrt und Fischerei bestmöglich auszunutzen. Dabei sind Nutzungskonflikte frühzeitig zu vermeiden. IHK Nord-Papier: Norddeutsche Forderungen für eine Steigerung der europäischen Windenergie auf See
Ausbauen: Digitalisierung der Energieversorgung
Die Energiewirtschaft muss umfassend digitalisiert werden: Erneuerbare Energie wird immer dezentraler erzeugt. Zugleich muss der Volatilität der Stromproduktion durch einen flexibel anpassbaren Verbrauch unter Einbeziehung der Sektorenkopplung entsprochen werden. Dazu ist eine spartenübergreifende Vernetzung von Infrastrukturen und Marktteilnehmern notwendig.
Zukunftsfähig: Infrastruktur für Energietransport
Eine zukunftsfeste Energieversorgung braucht Vielfalt bei der Energieinfrastruktur. Neben modernen und leistungsfähigen Infrastrukturen für den Transport von grünem Strom werden deshalb auch Transportstrukturen zum Im- und Export für andere nachhaltige und möglichst emissionsarme Energieträger benötigt. Nur wenn diese Voraussetzungen erfüllt sind, kann dauerhaft Versorgungssicherheit gewährleistet werden.
Sinnvoll: Netzkosten verteilen
Aktuell müssen die Verbraucher im Norden eine unverhältnismäßig starke Last der Netzkosten tragen. Die aus der Energiewende resultierenden Kosten für den Aus- und Umbau der Verteilnetze sollten bundesweit neu aufgestellt werden, um Fehlanreize zu vermeiden. Die Netzentgelte müssen dort günstig sein, wo erneuerbarer Strom erzeugt wird. So wird den Regionen ein Anreiz gegeben, erneuerbare Erzeugungskapazitäten weiter auszubauen.
Ansiedlungsstrategie: Energieintensive Unternehmen
Mit den richtigen Weichenstellungen kann in Norddeutschland überwiegend grüner und kostengünstiger Strom sowie regional erzeugter Wasserstoff angeboten werden. Dieser Vorteil muss nutzbar sein, um energieintensive Betriebe in unserer Region anzusiedeln.
