
IHK: 'Es gibt auch tolle Erfolge!'
Die hohen Energiepreise bleiben für die Wirtschaft eine weiterhin große Belastung – und schränken damit auch ihre Wettbewerbsfähigkeit ein. „30 Prozent der Betriebe verschieben Investitionen in Kernprozesse, 25 Prozent kürzen Mittel für den Klimaschutz. 42 Prozent berichten von einem Verlust der Wettbewerbsfähigkeit – Tendenz steigend“, weiß Björn Schaeper, IHK-Geschäftsführer für Wirtschaftspolitik, Innovation, Energie und Umwelt. Das ist auch die Aussage des jüngsten Energiewende-Barometer der IHK-Organisation (Stand Herbst 2025): Eine spürbare Entlastung scheint nicht in Sicht zu sein. Der Indexwert verbesserte sich von minus 9,8 auf minus 4,4 Punkte. Das ist zwar ein Schritt in die richtige Richtung, aber dennoch bewegt sich der Index immer noch im negativen Bereich.
Valley „NetZero Nordwest“
Der Nordwesten als Modellstandort für klimaneutrale industrielle Transformation? Vielleicht schon bald könnte die Küstenregion zwischen Ems und Elbe als strategischer Raum den aussagekräftigen Titel Valley „NetZero Nordwest Deutschland“ tragen. Noch ist nicht über den Antrag auf Anerkennung im Rahmen des europäischen Net Zero Industry Acts (NZIA) entschieden, doch die Chancen scheinen gut zu stehen. Die ausgewählten Vorreiterregionen sollen von vereinfachten Genehmigungsverfahren, besseren Fördermöglichkeiten und einer erhöhten internationalen Sichtbarkeit profitieren. Mit Spannung wird die Entscheidung erwartet, die schon in den nächsten Wochen getroffen werden soll.
Bürokratie behindert Bemühungen
„Viele Unternehmen reagieren mit Preisanpassungen oder der Erschließung neuer Geschäftsfelder. Doch auch Produktionsverlagerungen ins Ausland sind kein Randthema mehr: In fast jedem dritten Industriebetrieb werden Verlagerungen entweder bereits umgesetzt oder sind geplant. Damit bleibt die Sicherung attraktiver Standortbedingungen eine zentrale Aufgabe, um Abwanderungstendenzen zu stoppen“, so Schaeper. Nicht zu vergessen: das immerwährende Thema überbordender Bürokratie. „Zwei Drittel der Befragten nennen übermäßige Vorschriften als größtes Hindernis für ihre Transformationsbemühungen – mehr als je zuvor. Auch die Unzufriedenheit mit der Energiepolitik ist groß: 58 Prozent kritisieren fehlende Planbarkeit und Verlässlichkeit. Ständig wechselnde Förderprogramme und kurzfristige gesetzliche Änderungen erschweren langfristige Entscheidungen.“
Dennoch sind immer wieder auch tolle Erfolgserlebnisse zu verzeichnen: „Trotz widriger Rahmenbedingungen treiben die Betriebe die Transformation voran. Über 90 Prozent haben sich ein konkretes Ziel zur Klimaneutralität gesetzt – knapp drei Prozent sind nach eigenen Angaben bereits klimaneutral, weitere 22 Prozent wollen das bis 2030 erreichen. Bis 2045 streben nahezu alle Betriebe CO₂-Neutralität an“, so Schaeper. Die niedersächsischen Unternehmen zeigten trotz Belastungen bemerkenswerte Anpassungsbereitschaft. „Damit aus der Transformation ein Erfolg wird, braucht es jetzt Verlässlichkeit, Pragmatismus und den Mut zur Vereinfachung – damit Wirtschaft und Klimaschutz in Niedersachsen gemeinsam vorankommen.“
