i2b express
04 | 2024
21/26
© Canva

VANEVO: 

Die Energiewende leben

Ohne Strom läuft nichts. Und natürlich soll dieser ökologisch möglichst verträglich sein. Wie gut ist es da, dass seit dem Ausstieg aus der Kernkraft jede Menge grüner Strom produziert wird. Dennoch gibt es ein Problem: die längerfristige Speicherung dieses Ökostroms.

Genau diese Lücke können Redox-Flow-Batterien V, denn sie sichern die Speicherung überschüssiger Energie und geben sie bei Bedarf wieder ab. Das 2018 gegründete Oldenburger Unternehmen VANEVO produziert die dafür benötigten Stacks und Module – eine günstige, langlebige und recyclefähige Alternative zu den bisherigen Speicherelementen.

Kosten senken

Schon vor der Gründung von VANEVO hat Dr. Jan grosse Austing zu Redox-Flow-Batterien geforscht. Und auch seine Doktorarbeit am Deutschen Luft- und Raumfahrtzentrum (DLR) verfasste er zum Thema Redox-Flow-Batterien. „Es war eine so vielversprechende Technologie, die trotz ihrer Vorteile nicht verbreitet ist“, so Dr. Jan grosse Austing. 

Ein Hauptgrund: die noch sehr hohen Kosten. Also forschte er weiter und es wurde ein patentiertes Herstellungsverfahren für die Zellen und Module als Kernkomponenten dieser Batterien entwickelt. „Statt marktüblicher 160 Dichtungen muss lediglich eine Dichtung verbaut werden, so dass die Batteriezellen von VANEVO günstiger, energieeffizienter und einfacher zu handhaben sind.“ Hinzu kommt die einfache Recyclingfähigkeit der Elemente, die nicht degradieren wie bei den üblichen Lithium-Akkus. Redox-Flow-Batterien brennen nicht und durch die Nutzung von Vanadium entfällt zudem die Verwendung kritischer Ressourcen wie Cobalt und Lithium.

Vielfältige Unterstützung

Um das Start-up aufzubauen, gab es unterschiedlichste Förderungen, beispielsweise die europäische Exzellenzinitiative EIC Accelerator zur Weiterentwicklung des Produkts oder aber die N-Bank. Seit Anfang 2024 konnten außerdem mehrere Investoren mit Branchenerfahrung gewonnen werden, um das Wachstumskapital zu vergrößern. Mittlerweile gehört zu VANEVO ein 15-köpfiges Team. „Die Technologie ist fertig entwickelt, nun muss sie weiter kommerzialisiert werden“, sagt CFO Uwe Bögershausen, der ebenfalls in das noch recht junge Unternehmen investiert hat. „Insbesondere der Nachhaltigkeitsaspekt hat mich bei diesem Grown-up überzeugt“, so Uwe Bögershausen, der seit Jahren Unternehmen begleitet, die sich unter anderem im Bereich erneuerbarer Energien engagieren. „Leider ist das Thema noch nicht ganz in der Politik angekommen“, meint Uwe Bögershausen, der sich hier mehr Bewusstsein für den Umgang mit der erzeugten Energie wünscht. „Zurzeit ist es ja noch so, dass bei Auslastung der aktuellen Speicher die stromerzeugenden Anlagen entweder abgestellt werden oder der überflüssige grüne Strom sehr billig oder gar zum Negativpreis an Nachbarländer wie die Schweiz oder Norwegen abgegeben wird – um ihn später wieder teuer einzukaufen. Insbesondere für die Betreiber von Windrädern oder großer Solarparks sind günstige Redox-Flow-Batterien daher eine hervorragende Möglichkeit, die produzierte Energie zu speichern und bei Bedarf wieder abgeben zu können.“

Freiwilliges Jahr bringt die Entscheidung

Dabei war der Weg in die Energiebranche für Jan grosse Austing kein gerader: Zunächst studierte der gebürtige Dammer Mathe und Chemie auf Lehramt und absolvierte dann ein Freiwilligenjahr mit den Schwerpunkten nachhaltige Entwicklung, erneuerbare Energien und Umweltthemen in einem Bergdorf in Tansania. Während dieser Zeit entschied er sich für mehr Engagement in diesem Bereich, daher folgte der Masterstudiengang „Regenerative Energien und Energieeffizienz“ – und die spätere Gründung von VANEVO. Sein Ziel: „Den Markt für Energiespeicher in Deutschland, Europa und weltweit weiterzuentwickeln und insbesondere bei Speicherlösungen für Gewerbe- und Industriekunden Technologieführer zu werden.“ Gerade erst konnte VANEVO Unternehmen in den Niederlanden als Partner gewinnen. Mehrere Nachhaltigkeitspreise zeugen ebenfalls vom Erfolg dieser Technologie.


Von Melanie Jülisch