i2b express
04 | 2024
17/26

Wachsendes Netzwerk und Gründungsvielfalt

INTERVIEW



Ralf Stapp ist Vorsitzender der Geschäftsführung der BAB – Die Förderbank für Bremen und Bremerhaven. Im Interview beschreibt er die aktuelle Gründungslage in Bremen und Bremerhaven.

Gerade erst hat ja die Bremer Gründungswoche mit einem umfangreichen Programm stattgefunden. Wie sieht die derzeitige Gründungslage in Bremen aus?

Stapp: Begeistert blicken wir zurück auf die diesjährige Gründungswoche in Bremen und Bremerhaven. Der Auftakt fand erstmalig im Weser-Stadion-statt, wo eine spannende Convention mit vielseitigen Inhalten auf dem Programm stand. Startups und Unternehmen konnten sich an Messeständen kostenlos von Netzwerkpartnern wie dem Finanzamt, der Handelskammer oder Versicherungen beraten lassen. Parallel fanden verschiedene Vorträge und Paneldiskussionen statt. Im Fokus standen „Zukunftstrends“: besonders Themen wie Künstliche Intelligenz, New Work und Impact prägten einen Großteil der Veranstaltungen.

Seit 2018 organisiert das Starthaus Bremen und Bremerhaven gemeinsam mit dem Gründungsnetzwerk in Bremen und Bremerhaven jährlich die Gründungswoche im kleinsten Bundesland. In beiden Städten dreht sich alles ums Gründen und Wachsen: Gründungsinteressierte, Selbstständige und Jungunternehmen können bei Events und Workshops spannende Einblicke gewinnen, sich informieren und in den direkten Austausch mit dem Netzwerk und anderen Gründerinnen und Gründern treten.

Die Zahl der Gründungen ist in Deutschland zurückgegangen, was unter anderem mit dem anhaltenden starken Arbeitsmarkt beziehungsweise auch dem Fachkräftemangel begründet werden kann. Das Bundesland Bremen antizipiert allerdings weniger stark an dem bundesweiten Trend. Das Starthaus als Segment der BAB – Die Förderbank unterstützt Gründungsinteressierte und junge Unternehmen mit Beratung, Begleitung sowie Förderung und Finanzierung und kann derzeit nur einen leichten Rückgang der Anfragenden verzeichnen (Q3/2023: 1.211 Anfragen; Q3/2024: 1.091 Anfragen), der in Q4 auch durch die Gründungswoche des Novembers aufgeholt werden könnte.

In welche Bereiche zieht es die meisten Gründer?

Stapp: Die meisten Anfragen betreffen nach wie vor klassische Gründungen, wie beispielsweise in der Beratung/im Coaching, Einzelhandel, Gastronomie. Im Startup-Bereich sehen wir derzeit einen Aufwärtstrend in Branchen wie MedTech, Space, Sensoric und Energie, wobei entsprechende digitale und KI-Komponenten wie auch die Nachhaltigkeit Querschnittsthemen sind, die in allen Bereichen auftauchen. Bremen und Bremerhaven punkten mit einem wachsenden Netzwerk und können eine Vielfalt bei Gründungen verzeichnen. Das Starthaus als zentrale Anlaufstelle übernimmt die Erstberatungen in allen Bereichen und leitet die Interessenten und Interessentinnen bedarfsdeckend an passende Netzwerkpartner und -partnerinnen aus Bremen und Bremerhaven weiter.

Und wie hoch ist der Anteil an gründungswilligen Frauen, ist er vielleicht sogar gestiegen?

Stapp: Im dritten Quartal 2024 zeigt sich bei den Beratungen folgende Verteilung: 41 Prozent weiblich, 36 Prozent männlich und 23 Prozent Teams. Bei den Anfragen sind sogar 47 Prozent weiblich, 40,6 Prozent männlich und 12,4 Prozent Teams.

Auf Basis unserer Zahlen machen Frauen einen hohen Anteil der Gründungslandschaft aus. Die Gründungen erfolgen gerne auch im Nebenerwerb. Laut dem KFW-Gründungsmonitor 2024 ist es wichtig, erfolgreiche Unternehmerinnen sichtbarer zu machen, um den Gründerinnenanteil nachhaltig zu steigern. Aus diesem Grund hat das Starthaus mit seinem Programm „Starthaus Women – she starts“ Gründerinnen in den Fokus der Beratungen genommen. Aktuell läuft zum zweiten Mal das she starts stronger Mentoring-Programm. Dabei begleiten zehn Tandems aus Mentee und Mentorin einander über einen Zeitraum von zehn Monaten. Daneben bietet das Starthaus verschiedene Veranstaltungen an, wie den monatlichen Female Founders Coffee Club, der bereits mehr als 40-mal stattfand, sowie die große „She starts now!“ Veranstaltung, die in Kooperation mit dem Landesverband Bremen-Weser-Ems des Verbands deutscher Unternehmerinnen (VdU) 2024 zum dritten Mal erfolgreich umgesetzt wurde.

Wie unterstützt die BAB? 

Stapp: Die BAB ist die Förderbank des Landes Bremen mit wirtschafts- und gesellschaftspolitischem Auftrag. Dabei geht es darum, wichtige gesellschaftliche Themen anzugehen: Stärkung der Standorte Bremen und Bremerhaven, Erhalt und Schaffung von Arbeitsplätzen, demographischer Wandel, Energieeffizienz, Umwelt- und Klimaschutz. Anfang 2018 hat die BAB das Starthaus Bremen und Bremerhaven ins Leben gerufen, um eine zentrale Anlaufstelle für Gründerinnen und Gründer, Jungunternehmen und Startups zu schaffen. Durch die Zugehörigkeit zur BAB, können im Starthaus über die kostenfreie Beratung hinaus verschiedene Förder- und Finanzierungsmöglichkeiten angeboten werden. Das Thema Diversity ist ein zentraler Bestandteil der BAB, sowohl innen als auch extern. Mit dem neuen Förderprogramm „Diversity in KMU“ können kleine und mittelständische Unternehmen bei der Förderung von Diversität und Gendergerechtigkeit finanziell unterstützt werden.

Was ist das Starthaus?

Stapp: Das Starthaus, als ein Teil der BAB, bietet bedarfsgerechte, kostenfreie Gründungs- und Wachstumsberatung an. Die Beraterinnen und Berater erstellen gemeinsam mit den Gründerinnen und Gründern einen persönlichen Fahrplan und bieten ein ehrliches und offenes Feedback – immer vertraulich und neutral. Sie zeigen passende Beratungsangebote, Förderprogramme oder Finanzierungsmöglichkeiten auf und leiten bei Bedarf zielgerichtet ans Netzwerk der Starthaus-Initiative weiter. Allein bis Ende November 2024 wurden bereits 1151 Beratungsgespräche geführt. Darüber hinaus plant das Starthaus zahlreiche Workshops und Veranstaltungen, um den Gründerinnen und Gründern sowie Jungunternehmen das nötigen Wissen für einen erfolgreichen Start beziehungsweise Wachstum mitzugeben. Aber auch die Vernetzung untereinander und mit dem gesamten Gründungsökosystem ist ein wichtiger Bestandteil der Veranstaltungen.

Ein Fokusthema im Starthaus sind unter anderem die Startups. Diese zeichnen sich dadurch aus, dass sie digitale und skalierbare Geschäftsideen haben. Neben Programmen wie dem Open Innovation Cycle oder dem Raumfahrtinkubator ESA BIC Northern Germany, gibt es spezielle Förderangebote wie die BRE-Up Startup Förderung oder auch den VC Fonds Bremen.

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Die Fragen stellte Melanie Jülisch