Best Practice: Sandersfeld Sicherheitstechnik
Es bleibt in der Familie
Merle Sandersfeld-Kelm ist 2012 in das Unternehmen ihres Vaters eingestiegen. Seitdem hat sie die Entwicklung von Sandersfeld Sicherheitstechnik in Leer weiter vorangetrieben.
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Einfach mal ausprobieren – das dachte sich Merle Sandersfeld-Kelm, als ihr Vater sie fragte, ob sie sich vorstellen könne, ins Familienunternehmen einzusteigen. Das war 2012, zwei Jahre später ist sie ganz offiziell in die Geschäftsführung der Sandersfeld Sicherheitstechnik Gruppe in Leer eingetreten. Zuvor war die heute 38-Jährige schon ganz gut herumgekommen: Nach einem internationalen Management- und Marketingstudium In Spanien und den Niederlanden sammelte Merle Sandersfeld-Kelm berufliche Erfahrungen – und auch ihr holländischer Chef machte ihr ein tolles Angebot. „Letztendlich überwog dann aber die Bindung zu meinem Vater, der mich überwiegend allein großgezogen hat“, erinnert sich die Ostfriesin, die es dann doch wieder in ihre Heimat gezogen hat. „Er hat mir dann die Freiheit gelassen, mich auszuprobieren – bis ich es dann auch gefühlt habe: Das wird mein Baby.“
Feedbackgespräche zum Einstieg
Ziemlich schnell brachte Merle Sandersfeld-Kelm eigene Ideen in das 1984 gegründete Unternehmen mit seinen aktuell rund 180 Mitarbeitern mit ein, die sicher auch bei ihrem heute 72-jährigen Vater Helmuth Sandersfeld ab und zu für Überraschung sorgten. „Wir haben aber einfach akzeptiert, dass wir manchmal unterschiedliche Meinungen haben – und letztendlich geht es einfach um die Firma.“ Auf viele Modernisierungen kann die Mutter zweier Kinder heute stolz zurückblicken: flexibles Arbeiten samt Home-Office (das Unternehmen ist als besonders familienfreundlich ausgezeichnet), das sie schon vor Corona eingeführt hatte, oder der Weg in die Digitalisierung, der Ausbau von Social Media und der Aktualisierung der gesamten Corporate Identity. „Flexibles Arbeiten und angepasste moderne Prozesse sind heute das A und O, das habe ich auch in den Feedbackgesprächen erfahren, die ich in den ersten beiden Jahren mit allen Mitarbeitern geführt habe – damals waren es noch 90. Es ist sehr gut für die Motivation, wenn die Mitarbeiter die Rahmenbedingungen mit gestalten können. Daraufhin haben wir Maßnahmepläne erstellt und die Prozesse in Gang gesetzt.“ Neben diesen 360-Grad-Feedbackgesprächen hat Merle Sandersfeld-Kelm auch ein Ideenmanagement eingeführt. Kein Thema ist für sie, dass sie als Frau in einer Führungsposition sitzt, immerhin sind es in ganz Niedersachsen nur 15 Prozent. „Da mache ich mir gar keine Gedanken drüber und will mit auch nicht verstellen oder irgendwie behaupten. Dieses Selbstvertrauen muss man einfach mitbringen, wenn man ein Unternehmen führen möchte.“ Kein Wunder ist daher auch, dass sie bereits im Vorstand der IHK Wirtschaftsjunioren Ostfriesland & Papenburg saß oder im Arbeitsgericht Emden als ehrenamtliche Richterin unterstützt.
Beste Chancen durch frühe Entscheidung
Dass Ihr Vater sich bereits mit 58 Jahren um die Nachfolge gekümmert hat, empfindet Merle Sandersfeld-Kelm als sehr positiv. „In unserem Branchennetzwerk gibt es viele Unternehmer, die es verpasst haben, sich bereits mit 50 über die Zukunft Gedanken zu machen. Oftmals schmälert es den Preis oder das Lebenswerk wird nicht mehr im Sinne des vorherigen Inhabers weitergeführt, weil vielleicht eine Heuschrecke die Firma übernommen hat.“ Und wie sieht es heute aus? „Mein Vater möchte gerne weiterhin informiert sein, die operative Geschäftsführung liegt aber bei mir und meinem Geschäftspartner. Und natürlich freuen wir uns, wenn er im Hintergrund weiterhin mit Rat und Erfahrung zur Seite steht.“
Von Melanie Jülisch