Mit internationalen Wurzeln
Internationale Teams bieten viele Chancen. Gerade zu Anfang gibt es aber auch manche Hürde. Warum Unternehmen es dennoch versuchen sollten und worauf sie achten könnten, das verrät Monika Blaschke, Leitung Career Service an der Hochschule Bremen.
Die Sprache | Ganz oft geht es um die Frage, wie gut die internationalen Studierenden bei uns in Bremen oder Oldenburg Deutsch sprechen. Wir erleben häufig zögerliche Unternehmen, die nicht genau wissen, wie sie damit umgehen sollen, wenn potenzielle Arbeitnehmer mit hoher Fachkompetenz nicht über das Sprachniveau C2, sondern eventuell „nur“ B1 oder B2 verfügen. Aber selbst wenn nicht alle mit perfekten Deutschkenntnissen in Richtung Arbeitsmarkt gehen, so sind sie trotzdem hochmotiviert, so dass man ihnen auf jeden Fall eine Chance geben sollte. Da sollte das Deutschlevel eher zweitrangig sein. Auch parallel zum Job können die Deutschkenntnisse kontinuierlich ausgebaut werden. Außerdem ist es schwieriger, Deutsch zu lernen, wenn man einen englischsprachigen Studiengang belegt. Nicht zu vergessen: Der Einsatz von KI macht es auch internationalen Studenten oder Studentinnen ohne C-Level möglich, selber druckreife Texte zu produzieren.
Jede Menge Erfahrung | Unternehmen sollten sich auch die weiteren Vorzüge internationaler Studierender bewusst machen. Wenn sie bei uns studieren, dann bringen sie eine anerkannte Qualifizierung der Bremer oder einer anderen deutschen Hochschule mit. Hinzu kommen oft noch Studienabschlüsse oder Berufserfahrung aus ihren Heimatländern oder sogar Drittländern. Viele kommen nicht direkt aus ihrem Land zu uns, sondern haben zwischendrin noch woanders gearbeitet oder studiert. Sie bringen wirklich viele internationale und interkulturelle Erfahrungen mit.
Organisationstalente | Das Ankommen und der Aufenthalt in Deutschland sind mit einem enormen Aufwand verbunden: die Finanzierung, die Bürokratie und überhaupt die ganze interkulturelle Herausforderung. Aber sie haben das geschafft und damit bewiesen, dass sie neben einer hohen Motivation und Organisationstalent über interkulturelle Kompetenzen und Resilienz verfügen.
Mehr Vielfalt | Auch bringen sie mindestens eine andere Sprache mit, was ja auch von Vorteil sein kann. Es gibt viele Faktoren, die Unternehmen dazu veranlassen könnten, auch mal über den Tellerrand zu schauen. Internationale Studierende bringen mehr Vielfalt, und egal wie groß die Firma ist – Diversität ist immer bereichernd und ein wichtiger Erfolgsfaktor für Unternehmen.
Seite an Seite | Gerade in Klein- und Mittelunternehmen bieten sich mit einem teils familiären Betriebsklima für beide Seiten sehr gute Chancen: Man lernt sich besser kennen und kann neue Leute gut integrieren. Außerdem ist es gut, gerade in der Anfangszeit jemanden an der Seite zu haben, der sich ein bisschen um einen kümmert, damit der Übergang gut gelingt. Stimmt alles, darf man sich der Loyalität des neuen Mitarbeiters sicher sein.
Sich erstmal kennenlernen | Eine Werkstudententätigkeit oder ein Praktikum erweitert die Möglichkeiten enorm. Durch das neue Fachkräfteeinwanderungsgesetz können sie studieren und länger nebenbei arbeiten. Das bietet die Möglichkeit, sich erstmal kennenzulernen – ideal für beide Seiten.
Das Bewerbungsgespräch | Aus Erfahrung weiß ich, dass viele deutsche Personaler die Bewerbungsgespräche lieber auf Deutsch führen, weil sie ihren eigenen Englischfähigkeiten nicht immer so ganz trauen. Ich kann die Personalverantwortlichen in den Unternehmen nur ermuntern, es trotzdem zu versuchen – auch wenn ihr Englisch nicht perfekt ist. Alle Seiten dürfen sich mehr trauen.
Die Bewerbungsunterlagen | Wenn jemand aus einem anderen Land kommt, ist er mit den deutschen Bewerbungsformalitäten nicht so vertraut. Viele Unterlagen von Studierenden aus dem Ausland entsprechen deshalb nicht immer unseren Erwartungen. In Indien ist man beispielsweise der Auffassung, je länger der Lebenslauf, desto besser der erste Eindruck. Auch wirken die Bewerbungsfotos meist sehr seriös. Da könnten deutsche Personalabteilungen etwas toleranter sein und die Bewerbungsunterlagen nicht gleich zur Seite legen, wenn sie ein bisschen anders aussehen. Auch hierzu beraten wir übrigens die Studierenden mit unserem Career Service. Und wir möchten jeden ermuntern, zu uns zu kommen und sich beraten zu lassen oder an unseren Veranstaltungen teilzunehmen.
Hier gibt’s weitere Unterstützung für Unternehmen