i2b meet-up: Gesundheit 4.0
Gesundheit 4.0
KI in der modernen Medizin
Innovationen können das Leben in unterschiedlichsten Bereichen entscheidend verbessern. So auch Künstliche Intelligenz. Dennoch sind auch hier noch viele Fragen offen – hinsichtlich der Sicherheit, des Datenschutzes, der Qualität. Und natürlich geht es auch um ethische Fragen, inwieweit KI zum Einsatz kommen sollte. Ein Thema, das für jeden von uns zunehmend von Bedeutung ist – und Chancen und Risiken gleichermaßen in sich birgt. „Gesundheit 4.0 – KI in der modernen Medizin“ lautete daher auch der Titel des jüngsten i2b meet-ups im Oldenburger CORE – in Kooperation mit der Wirtschaftsförderung Oldenburg und moderiert von Axel Pusitzky. „Unsere Region bietet gute Voraussetzungen“, so Stadtrat Jan Bembennek – Dezernat für Soziales, Jugend und Gesundheit der Stadt Oldenburg in seiner Begrüßung. Auch betonte er, dass entscheidend sei, dass Innovationen wirklich allen Menschen zugutekommen. Wieder waren zahlreiche Gäste erschienen, um sich mit einem spannenden Thema auseinanderzusetzen und anschließend den Abend gemeinsam ausklingen zu lassen.







Augendiagnostik: Risiken erkennen
Als Revolution in Diagnostik, OP und Terminkommunikation bezeichnete Priv.-Doz. Dr. Christian Ahlers von „Die Augenpartner“ – Smarteye GmbH & Co. KG den Einsatz von KI in der Medizin in seiner Keynote. Im Bereich der Augenheilkunde könnten beispielsweise beim Kontrollieren der Netzhaut oder des Augeninnendrucks 31 verschiedene Parameter erstellt werden, die sich auch für weitere Nebendiagnosen wie Bluthochdruck eignen. „Die Algorithmen verarbeiten die Untersuchungsdaten und schaffen exakte Parameter, die zu solchen Risikobewertungen führen“, so Dr. Christian Ahlers. „Es ist ein totaler Gamechanger. Während früher nur ein Augenarzt solche Untersuchungen durchführen durfte, kann dies heute auch beim Optiker geschehen. Dieser kann bei Bedarf eine Empfehlung zum Arztbesuch aussprechen – denn die eigentliche Diagnose stellt immer noch ein Arzt.“ Auch im OP spiele KI eine immer größere Rolle, unter anderem in der lasergestützten Behandlung der Augenlinse. Dies geschieht sowohl vorab bei Programmierung und Markierung als auch während der Operation durch prüfende Algorithmen im Hintergrund. Die Folge: Die OP verläuft viel zügiger als zuvor. Allerdings handele es sich bei der KI-gestützten Lasertechnik auch um eine sehr sensible Methode, die beispielsweise empfindlich auf Temperaturschwankungen reagiere.
Mehr Zeit für die Patienten
Gerade wenn KI Organisatorisches übernimmt, ergeben sich einige zusätzliche Effekte. Ein Satz, den man dazu häufiger hört: KI macht Medizin wieder menschlich. „Würde einiges an Bürokratie wegfallen, könnte jeder Kollege wieder das machen, weswegen er angetreten ist“, unterstreicht Professor Ellrichmann. Am Schluss würde immer mehr Zeit für die Patientinnen und Patienten bleiben. Doch die Analysen ermöglichen noch mehr. „Man könnte beispielsweise verstärkt zu bestimmten Medikationen aufklären oder gezielte Präventionsangebote machen“, so Versicherungsexperte Jan-Philipp Kuhlmeier.
Kritisch bleiben
„Im Bildbereich ist die Technik der KI-Datenanalyse schon sehr weit ausgereift, in der allgemeinen Krankheitserkennung stehen wir noch ziemlich am Anfang“, so Dr. Djordje Lazovic. Und man solle sich nicht zu abhängig von der Technik machen, selbst wenn die KI aufgrund ihrer Datenanalyse zu bestimmten Empfehlungen kommt. „Die letzte Entscheidung, ob und wie etwas behandelt werden muss, bleibt in ärztlicher Hand“, so der Orthopäde. Doch wer übernimmt die Verantwortung, wenn es zu Fehlentscheidungen aufgrund von KI-Empfehlungen kommt? „Noch liegt die Verantwortung beim entscheidenden Arzt. Allerdings wird die KI irgendwann so weit sein, dass wohl auch Hersteller Verantwortung übernehmen müssen“, meint Michael Buschermöhle. Einig sind sich übrigens alle: Es gibt viele gute Entwicklungen, man müsse aber auch weiterhin kritisch darauf schauen.
Von Melanie Jülisch