Open Innovation:
Wie Unternehmen von offenem Wissen profitieren
Im Interview spricht Merlin Wenzel von der Oldenburgischen IHK über Open Innovation und Open Science.
In einer zunehmend vernetzten Welt wird der Austausch von Wissen und Ideen immer wichtiger. Open Innovation bezeichnet einen Ansatz, bei dem Unternehmen Innovationsprozesse gezielt für externe Impulse öffnen – etwa durch Kooperationen mit Hochschulen, Start-ups oder anderen Unternehmen. Open Science verfolgt ein ähnliches Prinzip, indem wissenschaftliche Erkenntnisse und Daten frei zugänglich gemacht werden, um Innovationen zu beschleunigen. Doch wie können Unternehmen – insbesondere der Mittelstand – davon profitieren? Wir haben mit Merlin Wenzel, Wissenschaftlicher Mitarbeiter für Innovationsförderung und Wissenstransfer bei der Oldenburgischen Industrie- und Handelskammer, darüber gesprochen.
Warum ist Open Innovation für Unternehmen relevant, insbesondere für den Mittelstand?
Open Innovation bietet Unternehmen die Möglichkeit, über ihre eigenen Ressourcen hinaus auf neues Wissen, innovative Technologien und externe Expertise zuzugreifen. Besonders für den Mittelstand, der oft nicht über große Forschungsabteilungen verfügt, ist dies ein entscheidender Vorteil. Durch Kooperationen mit Hochschulen, Start-ups oder anderen Unternehmen können Innovationsprozesse beschleunigt und Entwicklungskosten gesenkt werden. In einer Zeit, in der technologische Veränderungen rasant voranschreiten, kann ein offenes Innovationsmodell helfen, wettbewerbsfähig zu bleiben.
Welche Rolle spielt die IHK bei der Förderung von Open Innovation und Open Science?
Die IHK versteht sich als Vermittler und Impulsgeber für Unternehmen, die sich mit Open Innovation und Open Science auseinandersetzen möchten. Wir bieten Netzwerke, Veranstaltungen und Informationsplattformen, die Unternehmen mit Wissenschaft und Forschungseinrichtungen verknüpfen. Zudem unterstützen wir bei der Suche nach Fördermitteln und geben praxisnahe Tipps zur Umsetzung. Unser Ziel ist es, den Wissenstransfer zu erleichtern und Unternehmen den Zugang zu offenen Innovationsprozessen zu ermöglichen.
Gibt es Best Practices oder erfolgreiche Beispiele aus der Region?
Durch die Zusammenarbeit mit anderen Marktteilnehmern sowie Universitäten und anderen Forschungseinrichtungen ist es beispielsweise der BERDING BETON GmbH gelungen ein zementfreies Betonrohr zu entwickeln und damit den Klima-Innovationspreis Niedersachsen 2024 zu gewinnen. Zudem bietet die Carl von Ossietzky Universität Oldenburg mit dem Modul „Sustainable Venturing“ Unternehmen die Möglichkeit, Nachhaltigkeitsprojekte in Kooperation mit Studierenden umzusetzen. Außerdem schafft das Innovationsquartier Oldenburg als derzeit größtes vom Bund gefördertes IT-Bauprojekt auf über 15.000 Quadratmetern gemeinsame Arbeitsräume und Labore für Kooperationen zwischen Unternehmen und Forschungseinrichtungen.
Welche Herausforderungen sehen Sie bei der Umsetzung offener Innovationsstrategien?
Eine der größten Herausforderungen ist der kulturelle Wandel innerhalb der Unternehmen. Viele Firmen sind es gewohnt, Innovationen intern zu entwickeln und betrachten den offenen Austausch mit externen Partnern skeptisch. Zudem gibt es Bedenken hinsichtlich geistiger Eigentumsrechte und Datensicherheit. Hier ist es wichtig, klare Vereinbarungen zu treffen und geeignete Schutzmechanismen zu implementieren. Ein weiteres Hindernis kann der Mangel an Ressourcen und Know-how sein, insbesondere im Mittelstand. Deshalb sind gezielte Schulungen und Unterstützungsangebote essenziell.
Wie können Unternehmen Open Innovation konkret in ihre Geschäftsmodelle integrieren?
Unternehmen können Open Innovation auf unterschiedliche Weise nutzen. Eine Möglichkeit ist die Zusammenarbeit mit Hochschulen oder Forschungseinrichtungen, um neue Technologien zu entwickeln. Auch der Austausch mit Start-ups oder die Beteiligung an Innovationsplattformen und Hackathons sind effektive Wege. Zudem gewinnen Co-Creation-Ansätze mit Kunden und Lieferanten an Bedeutung, bei denen gemeinsam an neuen Lösungen gearbeitet wird. Wichtig ist, eine offene Innovationskultur im Unternehmen zu etablieren und gezielt Partner zu suchen, die die eigenen Stärken ergänzen.
Was sind zukünftige Trends in diesem Bereich?
Ein zentraler Trend ist die zunehmende Digitalisierung und Vernetzung von Innovationsprozessen. Plattformen für Open Innovation werden immer wichtiger, um weltweit Expertise und Ressourcen zu bündeln. Auch künstliche Intelligenz spielt eine größere Rolle, indem sie Forschungsergebnisse analysiert und Innovationen beschleunigt. Zudem steigt das Interesse an nachhaltigen Innovationen, bei denen Unternehmen gemeinsam Lösungen für ökologische und soziale Herausforderungen entwickeln. Open Science wird dabei immer mehr zum Standard, insbesondere im Gesundheits- und Technologiesektor.
Wie lautet also Ihr Fazit?
Open Innovation und Open Science bieten Unternehmen enorme Chancen, Innovationsprozesse effizienter zu gestalten und neue Märkte zu erschließen. Entscheidend ist, Offenheit als strategischen Vorteil zu begreifen und aktiv Kooperationen zu suchen. Die IHK unterstützt Unternehmen dabei, passende Partner und Fördermöglichkeiten zu finden, um von dieser Entwicklung bestmöglich zu profitieren.
Zur Person
Merlin Wenzel
Wissenschaftlicher Mitarbeiter
Innovationsförderung | Wissenstransfer
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