Entosus:
Proteine aus dem Insektenreich
Chili con Grilli, Grillognese oder Grillen Streichwurst: Nachhaltige Alternativen auf Basis von Grillen sind die Spezialität vom Bremer Start-up Entosus.
Der Klimawandel, die zunehmende Zahl der Weltbevölkerung – ein Umdenken in der Ernährung scheint unumgänglich zu sein. „2050 werden 10 Milliarden Menschen auf diesem Planeten leben. Aktuell verbraucht ein Mensch in Deutschland 53 Kilo Fleisch pro Person im Jahr und damit auch 15 000 Liter Wasser pro Kilogramm Rindfleisch“, so Florian Berendt über den gigantischen Wasserfußabdruck, den wir hinterlassen. Eine Lösung, um den dennoch vorhandenen Bedarf an tierischen Proteinen zu decken und die Umwelt zu schonen: insektenhaltige Lebensmittel, die seit 2018 laut Novel-Food-Verordnung als neuartige Lebensmittel gelten. „Die Nahrung der Zukunft ist ein Puzzle, und ein Teil davon sind Insekten.“ Mit seinem 2019 gegründeten Start-up Entosus (Entomologie: Insektenkunde) ist Florian Berendt Vorreiter – und hat auch ein Ziel: „Wir möchten die Coca Cola unter den Insektenprodukten werden.“
Das Aha-Erlebnis
Eigentlich hatte sich Florian Berendt nie so richtig mit Insekten beschäftigt. Dann besuchte der damalige Agrarstudent die Grüne Woche in Berlin. Neugierig probierte er sich durch alle angebotenen Snacks: Krokodil, Strauß, Känguru. Dann waren da diese Cracker mit Mehlwürmern obendrauf, und auch sie wurden ohne groß nachzudenken verputzt. „Das war mein Aha-Erlebnis. Sie haben kaum Eigengeschmack, vielleicht ein wenig nussig, und waren sehr knusprig“, erinnert er sich an den Besuch vor etwa 15 Jahren. Danach ratterte es in seinem Kopf, so dass er sich nebenbei immer mehr mit dem Thema Ernährung durch Insekten beschäftigte – die ja in vielen Kulturen fest etabliert ist. „Auch in Deutschland gibt es zunehmend mehr Befürworter, das hat erst kürzlich eine Umfrage von YouGov ergeben.“
Pasta und was zum Knabbern
Auch wenn die Vorteile solch alternativer Proteinlieferanten für viele Bereiche überwiegen, ist es für die meisten zunächst einmal gewöhnungsbedürftig, Heuschrecken, Mehlwürmer oder Grillen auf den Speiseplan zu setzen. „Daher haben wir unser erstes Produkt an die normalen Essgewohnheiten angelehnt: Grillen-Streichwurst. Die war auch sofort sehr erfolgreich.“ Unterstützt wurde Florian Berendt von Anfang an durch Lebensmitteltechnologin und Fleischereifachverkäuferin Melanie Christians. Mittlerweile erstreckt sich das Sortiment auf über 20 Produkte von Nudeln über Brotchips bis hin zur puren Knabbervariante. Auch gibt es komplett zubereitete Gerichte wie Chili con Grilli, Grillognese oder Grillenburger. Durch die Zugabe verschiedener Gewürze entstehen so ganz unterschiedliche Geschmacksrichtungen: Mit Zimt und Zucker als Corn-Flakes-Ersatz oder Müsli-Topping, geröstet mit Chili, Knoblauch oder Salz statt abendlicher Chips auf dem Sofa.
Die eigene Farm
Die Grillen zur Zubereitung der Produkte werden von Entosus selbst gezüchtet. „Nach dem Schlüpfen dauert es fünf Wochen, bis sie zu Nahrungsmitteln verarbeitet werden. In den meisten Produkten verwenden wir das komplette Insekt, bei den Snacks werden die Beine entfernt.“ 2019 wurde in Bremen ein Raum gemietet, um erstmals selbst Grillen zu züchten. Doch das kleine Unternehmen, das sich zunächst mit Crowdfunding und diversen Forschungs- und Entwicklungsfördermitteln finanziert hat, wuchs recht schnell auf zehn Mitarbeiter und liefert mittlerweile nicht nur an deutsche Kunden, sondern europaweit. „Deshalb nun der nächste Step: extern Grillen züchten, beispielsweise in landwirtschaftlichen Betrieben.“ Außerdem sind wir noch auf der Suche nach Investoren, um weiter wachsen zu können.“
Führung auf der Grillenfarm
Wer sich selbst ein Bild von der Grillen-Farm machen möchte, der kann an einer Führung inklusive Verkostung verschiedener Produkte teilnehmen.
Von Melanie Jülisch