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01 | 2024
22/25

Erfinder auf der sicheren Seite

© Pexels

Mal sind es kleine, ganz praktische Dinge, die das Leben leichter machen, mal wirklich große Errungenschaften: Dr. Lieselotte Riegger von der InnoWi, dem Patent- und Markenzentrum in Bremen, hat schon viele Menschen auf ihrem Weg von der Erfindung zum Patent begleitet. Schutzrechte wie Patente, Marken oder Sortenschutz sind für sie keine Fremdwörter. Für manch noch so cleveren Erfinder leider schon. „Hat man hier etwas nicht berücksichtigt, kann das richtig teuer werden.“ Während große Konzerne wie Thyssen oder Airbus auf hauseigene Patent-Abteilungen setzen, sieht das bei kleineren Unternehmen ganz anders aus: Hier herrscht oft Unwissenheit. Hat man beispielsweise einer Firma oder einem Produkt einen bereits vergebenen Namen verpasst, so kann dies im Nachgang mit viel Geld und reichlich Ärger verbunden sein. „Im schlimmsten Fall muss der Firmenname geändert und Schadensersatz geleistet werden. Dazu kommen noch die Anwaltskosten“, weiß Lieselotte Riegger aus Erfahrung. Damit dies nicht der Fall ist, beraten sie und ihr Team frühzeitig dazu, was es zu beachten gibt.

Förderung für Unternehmen

Seit 2020 ist die InnoWi, die langjährige Patentverwertungsagentur der Hochschulen im Land Bremen, auch offizieller Partner des Deutschen Patent- und Markenamts (DPMA) und eines der 16 regionalen Patent- und Informationszentren in Deutschland Finanziell unterstützt wird die InnoWi dabei vom Land Bremen, die Unternehmen durch den Bund und die Europäische Union. „Angesprochen sind in erster Linie kleine und mittlere Unternehmen, Start-ups und Gründungsteams“, so Lieselotte Riegger. „Natürlich kann auch der Tüftler aus der Garage zu uns kommen, aber das ist eher selten.“ Erste Beratungen dazu, was es alles zu beachten gilt, sind kostenlos. „Bei aufwendigeren und tieferen Recherchen wird es allerdings kostenpflichtig. Hierfür stehen allerdings verschiedene Förderprogramme zur Verfügung. Mit dem Bundesprogramm WIPIANO und dem europäischen KMU-Fond können ein Großteil der Kosten für Recherchen und die Anmeldung von Schutzrechten übernommen werden“, weiß Lieselotte Riegger. „Wichtige Programme, die helfen, Ideen zu Innovationen zu befördern und somit auch den wirtschaftlichen Standort Deutschland zu stärken.“Mehr Öffentlichkeitsarbeit

Gute Ideen sollten auf ein breites Publikum stoßen. „Daher wollen wir künftig in noch mehr Öffentlichkeitsarbeit investieren, auch um nicht nur den Patentierungsprozess zu begleiten, sondern mehr Kooperationschancen für eine Weiterentwicklung bieten zu können“, so Lieselotte Riegger. Um das Interesse an interessanten Ideen schon frühestmöglich zu fördern, geht man zusätzlich andere Wege, beispielsweise an Schulen. Auch Wettbewerbe wie „Jugend forscht“ gehen mit einem großen öffentlichen Interesse einher. Wichtig dabei: schon früh für das Thema Schutzrechte zu sensibilisieren.

„Gerade Hochschulerfindungen sind zwar sehr früh in der Ideenphase, aber es braucht meist eine lange Entwicklungsphase, um ein Produkt zu generieren. Oft fehlt bei Unternehmen auch die Innovationsbereitschaft oder die finanzielle Möglichkeit“, so Lieselotte Riegger. Dabei hängt so vieles auch vom Zufall ab. „Nehmen wir beispielsweise Corona: Ohne die Pandemie und das dadurch entstandene enorme öffentliche Interesse wäre der Impfstoff nie in dieser Schnelligkeit auf den Markt gekommen und weiterentwickelt worden. Normalerweise kann dies Jahrzehnte dauern. Auch hier wurde die ursprüngliche Idee für einen solchen Impfstoff bereits vor Jahren geboren.“  


Beratungen seit 2001

Als die InnoWi vor 23 Jahren gegründet wurde, stand ein Ziel im Vordergrund: die Ideen aus der Bremer Wissenschaft in die bundesweite Wirtschaft zu transportieren. „Seit 2001 gibt es nämlich das Arbeitnehmererfindergesetz, das auch besagt, dass Erfindungen, die eben aus der Hochschule kommen, der Hochschule auch erhalten bleiben“, erklärt Lieselotte Riegger den Ursprung der Agentur. „Für diesen Paragrafen 42 galt es Strukturen zu entwickeln, auch in Bezug auf Rechte und Pflichten von Arbeitnehmern und Arbeitgebern. Zuvor gehörte das Recht an einer Idee dem Entdecker, also einem Professor oder einem anderen Mitarbeitenden der Hochschule.“ Eine weitere wichtige Aufgabe der externen Agentur: die Erfindungen der vier staatlichen Bremer Hochschulen (Universität, Hochschule Bremen, Hochschule Bremerhaven, Hochschule für Künste) zur Umsetzung an finanzstarke Unterstützer vermitteln. Mit dem Auslaufen der Bundesförderung für Hochschulen zu Anfang des Jahres änderte sich einiges, die Ausweitung als regionales Patent- und Informationszentrum auf kleine und mittelständische Unternehmen bietet jedoch viele neue Chancen für alle.


Von Melanie Jülisch